Was Leib und Seele nährt

Kleines Glossar der alternativen Ernährungsrichtungen

von Katharina Hose und Demian zur Strassen (»Rohkost«)
Was Leib und Seele nährt
Anthroposophische Ernährung

Wer als Genießer feiner Speisen in Freiheit alle seine individuellen Gaumengelüste befriedigen möchte, findet in der anthroposophischen Ernährung einen guten Weg. Sie ist eine weitgehend lacto-vegetabile Kostform, die gelegentlichen Fleischverzehr zulässt. Die Anthroposophie versteht die Aufnahme von Nahrung als Mittel, um angestrebte Entwicklungs- und Gesundheitszustände zu erreichen. Nach ihrem Verständnis werden Speisen nach dem Verzehr in den Stoff umgewandelt, aus dem die Seele besteht. Von dieser Substanz aus werden sie nach nochmaliger Umwandlung zur Organisation des Ichs eingesetzt.

Anthroposophaen verstehen Verdauung also als »Vergeistigung« der Naturstoffe, die auf die Persönlichkeitsentwicklung stimulierend wirken.


Dabei achten sie auf eine gute Qualität der Nahrungsmittel. Als hochwertig gelten vor allem Speisen, die einen hohen Anteil so genannter Bildekräfte aufweisen. Laut Rudolph Steiner, dem Vater der Anthroposophie, sind diese Bildekräfte für den Aufbau der gesamten sichtbaren Welt verantwortlich. Die Erzeugung hochwertiger Nahrungsmittel ist aus anthroposophischer Sicht der von Rudolph Steiner geprägten biologisch-dynamischen Landwirtschaft vorbehalten. Die

Zusammensetzung der Speisen bleibt je nach Entwicklungsbestreben jedem Einzelnen überlassen. Dafür sollte man sehr genau wissen, wie verschiedene Speisen wirken. Eiweiß gilt als »Trägersubstanz des Lebendigen«. Wenn man es in zu großen Mengen genießt, soll es die Bewusstseinsentfaltung einengen. Kohlenhydrate gelten hingegen als Gehirnnahrung. Auf dem anthroposophischen Speiseplan tauchen sie in Form von Getreide, Obst oder Gemüse auf. Fette werden vom Körper gebraucht, um Wärme zu erzeugen. Bevorzugt werden pflanzliche Öle zur Zubereitung der Speisen verwendet, aber in Maßen, um Übergewicht zu vermeiden. Nur am Rande setzen sich die Anthroposophen mit der Zubereitung der Nahrungsmittel auseinander. Sie sollte möglichst schonend geschehen. »Lebensfeindliche« Zubereitungsverfahren wie Kochen im Dampfkochtopf oder Gefrieren in der Tiefkühltruhe sollten vermieden werden.


Ayurvedische Ernährung
Was Leib und Seele nährt
Ayurveda fasziniert schon seit geraumer Zeit immer mehr Menschen im Westen. Nicht nur in der Spiri-Szene, auch unter den so genannten Normalos ist Ayurveda als Wellness-Trend in aller Munde. Eine Redewendung, die auch ganz grobstofflich zutrifft. Zunehmend wird auf ayurvedische Art geschlemmt. Mit dem Erfolg, dass man sich richtig wohl fühlt, sagen die begeisterten Anhänger dieser Richtung. Kein Wunder – glaubt man der wörtlichen Übersetzung des Begriffs Ayurveda: »Wissen vom Leben«.

Dabei gibt es kein Patentrezept, was für alle Menschen gut ist. So unterschiedlich die verschiedene Charakter- und Typenausprägung unter den Menschen ist, so individuell geht die ayurvedische Ernährung auf jeden ein. Zwar gilt allgemein, dass die Nahrung ausgewogen und vollwertig sein sollte, damit nach dem Prinzip »Essen in Harmonie mit dem Kosmos« alle wichtigen Bausteine des Lebens enthalten sind; ausgewogen kann jedoch für jeden Menschentyp eine andere Zusammenstellung der Speisen sein. Nach ayurvedischer Philosophie gibt es im Kosmos drei Steuerungskräfte, deren Zusammenspiel auch die Funktionen des menschlichen Körpers regulieren. Diese Steuerungskräfte werden als Doshas bezeichnet. Wenn diese drei harmonisch aufeinander abgestimmt sind, geht es dem Körper und damit auch dem Geist gut.

Die drei Doshas sind Vata, Pitta und Kapha. Vata ist das Bewegungsprinzip. Es ist verantwortlich für Bewegung, Atmung, Stofftransport und Ausscheidungen. Außerdem bestimmt es den Herzschlag und die Nervenimpulse. Pitta, für Hitze und Stoffwechsel zuständig, kümmert sich um die Verdauung und – damit verbunden – um die Nährstoffaufnahme im Darm. Es reguliert die Körperwärme, die Sehschärfe und den Verstand. Kapha hingegen gibt dem Körper Festigkeit und Struktur. Es ist somit wichtig für die Widerstandskraft und die Fruchtbarkeit. Um die Doshas in Harmonie miteinander zu bringen, sind die unterschiedlichen Geschmacksrichtungen der Lebensmittel von ausschlaggebender Bedeutung. Sie werden als Rasas bezeichnet und liefern nach ayurvedischem Verständnis die Hauptinformationen über die Wirkung von Speisen. Es gibt sechs unterschiedliche Rasas: süß, sauer, salzig, bitter, scharf und herb. Jedes Dosha wird von einer bestimmten Geschmacksrichtung zurück ins Gleichgewicht gebracht. Wirken in einem Körper bereits alle Doshas harmonisch miteinander, so ist ein Essen, in dem alle sechs Rasas in ausgeglichenem Verhältnis vorkommen, optimal.

Allerdings kommt es sehr häufig vor, dass ein oder zwei Doshas besonders stark ausgeprägt sind. In so einem Fall ist es wichtig die Kräfte durch geeignete Rasas auszugleichen. Süß, sauer und salzig gleicht Vata aus und verstärkt Kapha. Scharf, bitter und herb gleicht Kapha aus und verstärkt Vata. Süß, bitter und herb gleicht hingegen Pitta aus, und scharf, sauer und salzig verstärkt Pitta. Als süße Nahrungsmittel gelten, teilweise abweichend vom westlichen Verständnis, Zucker, Milch, Butter, Reis, Brot und Teigwaren. Saure Nahrungsmittel sind Zitronen und Grapefruits, Joghurt und alter Käse. Salzig und scharf decken sich mit unseren westlichen Vorstellungen. Bitter sind zum Beispiel Spinat und andere grüne Blattgemüse, Hülsenfrüchte sind herb.

Voraussetzung dafür, dass harmonisierend auf die Doshas eingewirkt werden kann, ist die genaue Kenntnis des eigenen Dosha-Typs. Bin ich eher ein Vata-, Pitta- oder Kapha-Typ? Oder wirken alle Kräfte ausgeglichen? Tests, die Klarheit bringen, gibt es in den einschlägigen Ratgeber-Büchern.

Makrobiotische Ernährung
Was Leib und Seele nährt
»Nahrung sei deine Medizin und Medizin deine Nahrung«. Diesen Ausspruch des griechischen Arztes Hippokrates haben sich die Makrobiotiker als Leitspruch auf die Fahnen geschrieben. Hinter der Philosophie der Makrobiotik steht die Jahrtausende alte chinesische Lehre der Kräfte Yin und Yang. Yin, das passiv weibliche Prinzip und Yang, das aktiv männliche Prinzip bilden ein Spannungsverhältnis und somit eine Dynamik, die alles Leben erst möglich macht. Gesundheit besteht dort, wo diese beiden Kräfte in Harmonie miteinander wirken. Kommen sie aus dem Gleichgewicht, entsteht Krankheit.

Die Makrobiotik geht davon aus, dass jede Krankheit bis zu einem bestimmten Stadium heilbar und in Gesundheit umwandelbar ist. Das Ungleichgewicht zwischen den beiden Kräften kommt vor allem durch das Essen bestimmter Speisen zu Stande. Bei zu viel Yang ist es ratsam, dies durch Speisen mit hohem Yin-Anteil auszugleichen und umgekehrt. Das Yin-Yang-Bedürfnis ist jahreszeitlich unterschiedlich.

Die makrobiotische Grundernährung besteht zu 50-80 Prozent aus naturbelassem Getreide, zu 20-30 Prozent aus einheimischem Gemüse. Ab und zu können Obst, Salat oder auch Fisch dazu verspeist werden. Dazu gibt es Hülsenfrüchte, Meeresalgen, Nüsse, Misosuppe und Öle. Wichtig bei der makrobiotischen Ernährung ist es, dass die Nahrungsmittel ohne Zusatz von chemischen Hilfsmitteln angebaut werden. Wenn nicht gerade ein extremer Yin- oder Yang-Überhang ausgeglichen werden muss, sind Speisen zu meiden, die sehr viel Yin- oder Yang-Anteile besitzen. In Zucker zum Beispiel wirken fast ausschließlich Yin-Kräfte, in Salz hingegen fast ausschließlich Yang-Kräfte.

Rohkost

Welche Nahrung ist für uns am besten geeignet? Vielleicht ja genau die, die in Jahrtausenden der Evolution unsere Entwicklung als Menschen voran getrieben hat!? Das behaupten zumindest die Anhänger der Rohkost-Ernährung. Sie halten nichts davon, die Lebensmittel erst einem pysikalisch-chemischen Umwandlungsprozess zu unterziehen, bevor man sie isst. Rohköstler sprechen von dem grossen Genuss, Frisches und Lebendiges zu essen, von der gesteigerten Vitalität und der verfeinerten Wahrnehmung, die mit Rohkost einhergeht. Und sie argumentieren auch wissenschaftlich: Wie der Bunsenbrenner aus dem Chemieunterricht, so verwandelt auch der Herd die Moleküle der Mineralien, der Vitamine und Spurenelemente, auf die der Körper eingestellt ist. Viele Vitamine werden dabei vernichtet, Enzyme schon ab 41 Grad Celsius. Gleichzeitig entstehen beim Erhitzen Tausende von neuen Molekülverbindungen (NCA – neue chemische Arten), die der Körper nicht verwerten kann und die ihn zum Teil sogar direkt schädigen. Der Mensch hat sich in Jahrmillionen entwickelt, und das Kochen der Nahrung gibt es erst seit circa zehntausend Jahren. Zu kurz, als dass sich die Evolution auf die beim Kochen entstehenden Moleküle vollends hätte einstellen können. Deshalb, so sagen die Rohköstler, entstehen viele Krankheiten durch das Essen aus dem Kochtopf und den damit einhergehenden Mangel an Vitalstoffen sowie durch die auftretenden Schlacken und Schadstoffe. Hauptsächlich wegen dieser Schadstoffe, die bei einer Umstellung eine längere Entgiftungsphase nötig machen, empfehlen sie, diese Umstellung immer unter Anleitung eines erfahrenen Rohköstlers durchzuführen.

Die Rohkost-Szene fächert sich nochmal in verschiedene Richtungen auf: Die Sonnenköstler (nach Helmut Wandmaker) bevorzugen Früchte und ergänzen diese in geringem Maße mit Gemüsen und Nüssen, die Urköstler (nach Franz Konz) verzehren besonders gerne Wildkräuter, und die Rohkost-Vegetarier, -Veganer usw. haben ihre eigenen Vorlieben. Von all diesen Richtungen unterscheiden sich die Instinktos. Gemäß der Lehre von Guy-Claude Burger sagen sie, dass unser Geruch- und Geschmacksinn ursprünglich die biologische Funktion hat, uns genau anzuzeigen, was unser Körper in einem bestimmten Moment braucht und zu sich nehmen will. Durch die denaturierte Kochkost sei dieser Instinkt aber verloren gegangen. Sie berichten, dass nach einer Phase der Umstellung unsere Sinne wieder ihre von der Natur vorgesehene Rolle ausüben können. Das heisst: Wenn wir vor einem grossen Büffet mit lauter frischen Lebensmitteln stehen würden, würde unser wiederhergestellter Geruchsinn genau den Duft hervorheben, der uns zu der gerade benötigten Ananas führt. Die Ananas würde dann genau solange köstlich schmecken, wie sie benötigt wird und danach abrupt ihren angenehmen Geschmack im Mund verändern. Auf diese Weise wollen sich die Instinktos von ihrem Instinkt zu vielfältigen Essgenüssen und einer höheren Qualität von Gesundheit lenken lassen.

Vegetarische Ernährung
Was Leib und Seele nährtEin erweitertes Bewusstsein war und ist der Impuls für viele Vegetarier, auf den Verzehr von Fleisch zu verzichten. In der westlichen Welt begann dieser Prozess mit der sozialen und ökologischen Alternativbewegung der 1970er-Jahre, die für einen bewussteren Umgang mit Umwelt und Natur eintrat und für das Schicksal der durch Massentierhaltung und industrielle Fleischproduktion geschundenen »Nutztiere« sensibilisierte. Tatsächlich verzichten etwa 80 Prozent aller Vegetarier aus ethischen Gründen auf Fleisch.

Sie geben an, aus Mitgefühl für Tiere und einer Ablehnung der Massentierhaltung heraus zu handeln. Erst an zweiter Stelle bewegen sie gesundheitliche Vorteile zur vegetarischen Ernährung.

Dabei ist der gesundheitliche Aspekt nicht zu vernachlässigen. Das Risiko für Vegetarier an einer der so genannten Zivilisationskrankheiten, wie zum Beispiel an Übergewicht, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Bluthochdruck zu erkranken, ist wesentlich gemindert. Dies ist unter anderem auf einen kohlenhydratreichen, fett- und cholesterinarmen Speiseplan zurückzuführen, der zusätzlich angereichert ist mit ungesättigten Fettsäuren aus pflanzlichen Ölen und sekundären Pflanzenstoffen. Sicherlich darf in diesem Zusammenhang aber auch der generell bewusstere Umgang der Vegetarier mit ihrer Gesundheit und ihrem Körper nicht außer Acht gelassen werden. In Deutschland leben sechs Millionen Menschen vegetarisch – Tendenz steigend.

Die meisten von ihnen entscheiden sich für eine ovo-lacto-vegetabile Kost. Das heißt, sie lehnen den Verzehr von Fleisch und Fisch ab, essen aber Milch, Milchprodukte und Eier. Obwohl von Kritikern immer wieder vor Fehlernährung gewarnt wird, ist die Gefahr bei einer ausgewogenen ovo-lacto-vegetabilen Ernährung verschwindend gering. Zwar ist die Aufnahme von Eisen aus pflanzlichen Lebensmitteln wesentlich schlechter als aus Fleisch, kann aber durch gleichzeitigen Verzehr von Vitamin-C-haltigen Lebensmitteln entscheidend verbessert werden. Dies kann man leicht erreichen, indem man zum Beispiel ein Glas Orangensaft zum Essen trinkt. Allgemein sollte man die speziellen Eigenschaften der Speisen gut kennen, um sie so kombinieren zu können, dass sie den Nährstoffbedarf decken. Lacto-vegetabile Kost unterscheidet sich von der ovo-lacto-vegetabilen nur durch den Verzicht auf Eier. Dadurch sind keine nennenswerten Auswirkungen auf die Nährstoffzufuhr zu erwarten.

Etwas schwieriger ist es für rein vegan lebende Menschen, alle lebenswichtigen Nährstoffe zuzuführen. Sie verzichten neben Fleisch, Fisch und Eiern zusätzlich auf Milch und Milchprodukte. Diese Ernährungsweise wird auch als streng vegetarisch bezeichnet. Bei allen Nährstoffen, die ausschließlich in tierischen Lebensmitteln vorkommen, kann es bei dieser Form der Ernährung zu Unterversorgung kommen. Dazu gehören neben verschiedenen Aminosäuren, den Bausteinen der Eiweiße, Kalzium, Vitamin B12 auch Jod, Eisen und Vitamin B2. Es erfordert eine überdurchschnittliche Kenntnis der Lebensmittel, um Mangelerscheinungen entgegenzuwirken.

Trennkost

»Ich bin sauer auf dich« – wenn man solch einen Ausspruch hört, ist klar: mit dem Anderen ist gerade nicht gut Kirschen essen. Klug, wer sich in so einem Moment zurückzieht und einige Zeit Geduld aufbringt, bis sich die Lage wieder »neutralisiert« hat. So kann auch das Sauerwerden des Körpers, wenn es nicht immer wieder neutralisiert wird, zerstörerisch wirken. Nach Dr. Howard Hay, dem Begründer der Trennkost, liegt es vor allem an der Zusammensetzung der Speisen, die wir zu uns nehmen, ob der Körper übersäuert.

Hay vertritt die Meinung, dass der gleichzeitige Genuss von eiweißhaltigen und kohlenhydrathaltigen Speisen den Körper übersäuert. Um das möglichst zu verhindern, empfiehlt er solche Nahrungsmittel getrennt voneinander zu verzehren. Dafür teilt er Speisen in kohlenhydratreiche, eiweißreiche und neutrale Lebensmittel ein. Kohlenhydratreiche Lebensmittel bezeichnet er als Basenbildner, eiweißreiche Nahrungsmittel als Säurebildner. Basen sind Substanzen, die Säuren neutralisieren können. Er empfiehlt eine Kost aus 80 Prozent Basenbildnern – dazu zählen Obst, Salat, Milch, Butter und Joghurt – und 20 Prozent Säurebildnern, wie Fleisch, Fisch, Kartoffeln und Vollkornbrot.

Auch wenn basen- und säurenbildende Lebensmittel während einer Mahlzeit nicht zusammen gegessen werden sollen, bleibt der Teller doch nicht karg und leer. Man kann sie nach Hay mit neutralen Speisen ergänzen. Das sind zum Beispiel Nüsse, viele Gemüsesorten und Gewürze. Umfangreiche Tabellen, die nach dem Hayschen Prinzip Speisen in die entsprechenden Gruppen unterteilen, findet man in zahlreichen Büchern, die sich mit dem Thema »Trennkost« beschäftigen.

Allerdings ist die Trennkost umstritten. Kritische Gegenstimmen sagen, dass es für den menschlichen Körper keineswegs unnatürlich ist, Eiweiß und Kohlenhydrate gemeinsam zu verdauen. Das beste Gegenbeispiel ist Muttermilch, die sowohl Eiweiß als auch Kohlenhydrate enthält. Auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung äußert sich kritisch: »Die Lebensmittelauswahl sichert keine ausreichende Nährstoffversorgung, wenn nur 20 bis 25 % der Nahrung aus säurebildenden Lebensmitteln wie Getreideprodukten, Fleisch und Fisch bestehen. Getreide und Getreideerzeugnisse liefern essentielle Nährstoffe (...), sie kommen in der Hayschen Trennkost zu kurz. Zu empfehlen ist die Haysche Trennkost nur dann, wenn der Getreideanteil deutlich höher wird.« Wie bei jeder Ernährungsumstellung gilt es also auch hier, sich umfangreich zu informieren und die Vorteile gegen eventuelle Nachteile abzuwägen.

Vollwert-Ernährung
Was Leib und Seele nährt
Vollwert-Ernährung – in vielen Köpfen ist dieser Begriff verknüpft mit karger Körnerkost, die mit dem sinnlichen Erleben der Nahrungsaufnahme wenig zu tun hat. Das ist jedoch keineswegs so. Häufig ist die Vollwert-Ernährung erheblich vielfältiger als die klassische Hausmannskost bei Muttern. Nach dem Leitprinzip, je vielfältiger die Speisen zusammengesetzt sind, umso mehr Nährstoffe enthalten sie, muss praktisch auf nichts verzichtet werden. Alles was schmeckt und der Seele gut tut, kommt auf den Tisch.

Dabei handelt es sich vorwiegend um Vollkornprodukte, Gemüse, Obst, Kartoffeln, Hülsenfrüchte, Milch und Milchprodukte. Fleisch, Fisch und Eier machen nur einen kleinen Teil des Speiseplans aus.

Den Vollwertlern kommt es vor allem auf eine schonende Zubereitung der Speisen an. Ungefähr die Hälfte der aufgenommen Nahrungsmittel wird in unbehandelter Form aufgenommen, wie frisches Obst oder Gemüse. Die andere Hälfte wird bei geringen Temperaturen und mit wenig Fett erhitzt. Nicht zu empfehlen sind, laut Vollwert-Ernährung, Zucker oder alternative Süßungsmittel, weil sie neben einem hohen Kaloriengehalt wenig Nährstoffe enthalten. Auch auf schwarzen Tee oder Kaffee sollte weitgehend verzichtet werden. Sie enthalten Stoffe, die die Vitamin- und Mineralstoffaufnahme ins Blut verhindern.

Die Vollwert-Ernährung versteht sich als ganzheitliches Ernährungsprinzip. Neben den Ansprüchen »gesundheitlich wertvoll« zu sein, vereinen sich in ihr Umwelt- und soziale Verträglichkeit. Überwiegend werden Produkte aus ökologischem Anbau verwendet. Den Befürwortern ist es außerdem ein Anliegen, faire Preise für Exportwaren aus so genannten Drittweltländern zu erzielen.

Yoga-Ernährung

Yoga ist die Kunst, mit sich und seinem Körper in Harmonie zu leben. Neben Atem-, Körper-, Entspannungs- und Meditationsübungen kommt der Ernährung beim Erreichen dieses Ziels eine große Bedeutung zu. Im Gegensatz zu vielen anderen Ernährungsformen stellt die yogische den Anspruch, nicht nur für den physischen Körper, sondern auch für den Energiekörper, den emotionalen Körper und den intellektuellen Körper gesund zu sein. Yogis bedenken die Wirkung der Nahrung auf den Körper, die Lebensenergie, die Gefühle und die geistigen Fähigkeiten.

Wie alles Denken und Handeln stellt der Yogi auch die Nahrungsaufnahme in den Dienst seiner vordringlichsten Aufgabe: sein Selbst zu verwirklichen. Durch die Auswahl geeigneter Speisen bringt der Yogi seinen physischen, energetischen, emotionalen und intellektuellen Körper in einen Zustand, der es erleichtert, zu dieser Wahrheit zu gelangen. Damit es den Yogis gelingt, zu jeder Zeit die richtige Speise auszuwählen, unterteilen sie die Lebensmittel in drei Kategorien. Es gibt für sie sattwige, rajasige und tamasige Nahrung.

Tamasige Nahrung vergiftet nach ihrer Ansicht den Körper und legt den Verstand lahm. Sie sollte weitestgehend gemieden werden. Zu ihr gehören zum Beispiel Alkohol, Drogen, Fleisch und Zwiebeln. Zu viel Essen ist auch tamasig. Rajasige Nahrung hingegen macht den Körper unruhig, regt die Leidenschaften an und macht den Geist schwer kontrollierbar. Sie sollte auf ein Minimum reduziert werden. Rajasige Lebensmittel sind unter anderem Eier, Kaffee, schwarzer Tee und Weißmehl. Bei zu hastigem Essen, das nicht ausreichend gekaut wird oder wenn zu viele verschiedene Nahrungsmittel während einer Mahlzeit aufgenommen werden, wird die Speise ebenfalls rajasig. Sattwige Nahrung ist das, was Yogis bei vollem Bewusstsein mit gutem Gewissen zu sich nehmen. Sattwige Nahrung bringt dem Körper wertvolle Nährstoffe. Sie ist leicht verdaulich, gibt neue Energie und macht den Geist klar und friedvoll. Durch sie wird es möglich, die eigenen Talente in vollem Umfang zu nutzen.

Es gibt wiederum fünf sattwige Nahrungsgruppen. Erstens ist die Gruppe der Vollkorngetreide und Kartoffeln zu nennen, zweitens Hülsenfrüchte, drittens Gemüse und Salate, viertens Obst und fünftens Milch und Milchprodukte. Es wird empfohlen, jeden Tag etwas aus allen fünf Gruppen zu essen. Es gibt aber keine Vorgabe, wie viel von welcher Gruppe man zu sich nehmen soll. Diesbezüglich setzen die Yogis auf ihren Instinkt. Ihrer Meinung nach schult der Genuss von sattwiger Nahrung das Gefühl für das eigene Wohlbefinden enorm. So wird es dem Yogi, der tamasige und rajasige Nahrung weitgehend meidet, bald möglich sein, aus dem Bauch heraus zu entscheiden, welche Speisen ihm gut tun. Yoga Ernährung kommt also ohne starre Regeln aus und setzt auf Eigenverantwortung. Das Ziel der Yogis ist es, sich nichts zu verkneifen, sondern das zu mögen, was für sie gut ist.

Quelle: Connection Magazin